𝖄𝖛𝖆 𝖂𝖊𝖘𝖙.


𝔊𝔢𝔟𝔬𝔯𝔢𝔫 𝔞𝔪 𝟙. 𝔍𝔲𝔩𝔦 𝟙𝟡𝟞𝟞.


IOWA. from YVPRYSM on Vimeo.

Glühend heißer Asphalt. Eine lause Brise, die unter das Kleid fuhr. Iowa. Sandig und brütend heiß dieser Tage.
Yva war ihr Name.
Sie schlenderte durch die Straßen. Von Gehweg zu Gehweg, über die glühende Schwärze der Straßen. Die Gläserfronten der Gebäude schwirrten durch die Temperaturen. Es sah aus, als würden sie vibrieren und das Innere kochen. Hin und wieder schmissen sie Regenbogenfarben auf den Beton.
Es war zwar noch früh am Morgen, aber die Hitze staute sich schon. Irgendwo aus einem Diner in einer Nebenstraße drang Jazz zu ihr. Ein Saxophon ließ ihr Inneres tanzen. Das hellblaue Kleid wiegte sich im Wind dazu. „Ein wenig wie in New Orleans“, dachte sie.
An ihr und der Weite Iowas führen nur hin und wieder Chrom verzierte Karossen vorbei, verschiedenste Farben. Das Erste war mintgrün, mit Heckflossen und funkelnd roten Heckleuchten. Gemächlich flossen sie auf der Straße entlang. Wie kleiner Dampfer auf dem Raccoon River, der durch Des Moines zog. Und hin und wieder eine Brise Seeluft herüber schwappen ließ.
Sie vermisste das Meer. Die Kühle zwischen dem heißen Sand und der Sonne, die unermüdlich vom Himmel brannte.
Der Zweite war knallrot, ein Flitzer. Der Chrom zuckt durch die Reflexion der Sonne auf und schenkt ihr ein Schauspiel des Lichtes.
Der gestrige Abend war kühl gewesen. Die Sonne vom Gin betäubt und rosig ihre Wangen.
Das Nächste fuhr aus der entgegengesetzten Richtung an ihr vorbei, klavierlackschwarz. Ein Cabrio und aus ihm drängen neue Töne in ihr Ohr. Rock’n’Roll und rote Sitze - wie passend. Der Mann, der es fuhr, grinste sie breit an. Lebensgefühl war es wohl. Sie lächelte zurück und nickte zum Gruß.
Dann lief sie weiter. Die Häuser wurden flacher. Sie gelangte in den industrielleren Distrikt. Autohäuser, Diner, die zur Mittagspause einluden und mit Neonreklamen verzierte Firmenfassaden.
Ihre Gedanken hingen am Gin. Ihre Freiheit den Urlaub zu genießen, ließ sie darüber nachdenken, wo jetzt einer zu finden wäre. Glasklar die Flüssigkeit im Glas, wie das Meer an manchen Stellen, wo sie aufgewachsen war.
Ihr Blick traf auf einen Autohändler. Gemischt mit den Gin- und Meeresgedanken ruhten ihre Blicke zwischen dem Chrom und den verschiedenen Lacken der Wagen. Sie flüsterte vor sich hin. „Pontiac“. Die Reklame schien bestimmt in einem schönen Rot, wenn es Abend wurde. Umrahmt von einem tiefen Blau.
Ihr Weg würde sicherlich am Abend noch mal in den Dieseldistrikt führen. Die Kühle der Luft genießen und in das Licht der Reklamen starren.
Immer noch schweifte ihr Blick über die Wagen. Blieben an den Formen hängen, die die Karosserie bildeten. Schöne Wagen. Über dem Platz flattern aufgeregt blau-silberne Streifen im Wind. Warben für sich und die kernigen Geschichten unter ihnen.
Sie überquerte die Straße. Hinter ihr fuhr ein weiter pastellgelber Wagen entlang. Fröhlich hupend winkten die Insassen ihr zu. Wie es wohl war in einem dieser Wagen zu sitzen. Ein kühles Getränk im Fahrtwind zu genießen. Sie winkte zurück, drehte sich elegant und verlor sich dann wieder in den Farben.
Als sie sich umdrehte, funkelte eine Chrom Reflexionen in ihrem Augenwinkel. Sie nahm es wahr und blieb stehen. Das Leuchten der Stoßstange hatte ihren Blick auf sich gezogen. Das Metall umrahmte ein kühles Meeresblau. Hell wie der Himmel mit dem Echo des Meeres. Die doppelten Scheinwerfer gruben sich wie Augen in ihr Gedächtnis. Eine lang gezogene Front erkannte sie, als sie auf das Auto zu schritt und die Perspektive änderte. Das silberne Emblem lud sie ein näher zu entdecken, welche Details sich am und im Auto befanden.
Eine Chromleiste zog sich von vorn nach hinten. Zwei Türen mir großen dunklen Fenstern und edlen Türgriffen, silbern glitzernd spielten die Elemente mit dem Blau des Lackes.
Sie umrundete ihn. Ein ewig langer Kofferraum. Das Heck schloss in große rote Leuchten ab. Es war pure Euphorie, die dieses Heck in ihr auslöste.
Wie wohl das Biest unter seiner Haube schnurren würde, würde sie den Zündschlüssel drehen. Das menschliche mit dieser puren Maschine vereinen.
Sie wollte das Vibrieren in ihrem Körper spüren. Wie die Power des V8 durch den Körper dieses Riesen jagt. Sie mitnahm. Benzin durch die Zylinder rotze, wenn sie Gas gab. Dieser Geruch, der ihr unter die Haut fuhr, dass Leder das zwischen den Chromamateuren blitze, das Schwarz in eine innige Umarmung nahm.
Er versprach Ihr Freiheit.
Die wollte sie - dieses Stück Edelmetall zwischen ihren Beinen. Und das Lenkrad in der Hand und ab in den Sonnenuntergang. Den Asphalt jagen. Den Tacho bis zum Overload pressen. Die 6,4l in den Ohren rauschen hören. Das Stöhnen der Instrumente, wenn das Pedal am Boden kratze. Sie wollten ihn und diesen Höhepunkt ihres Lebens. Ihm geben, was er wollte.
Nachts einsam an einer der verrosteten Gasstation. Ihn locken mit neuem flüssigen Gold. Dabei den Regentropfen auf dem Lack zu sehen, wie sie das Monster sanft zur Ruhe bringen wollten und über den geschwungen Kühlergrill hinabsprangen, aus Angst er könnte sie fressen. Aber er war ein sanfter Riese. Eine ruhende Bestie mit einem Hang zur Freiheit.
Sie wollte sich ihn verlieben. In das Knurren an den verschwommenen Ampeln, an den Geruch, der durch den Innenraum zog. Diese pure Stück Energie leben.
Und als sie aus diesem Tagtraum erwachte, steckte sie ihm gerade den Benzinschlauch in den gierigen Schlund. Tief gebückt an dem vollkommenen Heck des neuen Mannes an ihrer Seite. „Gin“ flüsterte sie und bildete sich ein als würde er mit rauer Whiskeystimme antworten. „Cross my heart and hope to die.“





Diese Geschichte nimmt an einer Blogparade von Vecartec teil. 

6 Kommentare :

  1. Du hast so eine schöne Art zu schreiben, besonders mit deinen Details holst du mich ganz schnell in deine Welt!
    Dein Kleid steht dir auch hervorragend ;)
    Liebe Grüße,
    Emilie von LA MODE ET MOI

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    1. Danke schön. =)
      Ich versuche meine Welt zu teilen. Um Inspiration zu verteilen.

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  2. Wow – erstmal muss ich Dir ein Kompliment für die tollen Fotos machen! Alles so stimmig der Look, das Auto und die ganze Szenerie. Und ich liebe dieses Auto <3

    Liebst, Elisa

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    1. Danke. Ich hab mein Herz, wie Yva, an das Auto verloren. <3

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  3. So tolle Bilder! Da wünsche ich mich doch gleich in die Staaten (trotz Donald und so...). Danke für den unterhaltsamen Text, hat mir sehr gut gefallen!
    LG Ina von Applethree.de

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    1. Mich zieht es so sehr danach. Nach diesen Träumen, die ich da beschreibe.

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