𝚆𝚎𝚜𝚝 𝙴𝚗𝚍.

Von Iowa zum West End. Wartend.


Das monotone Knistern der Neonröhren über ihm klang mit der Untermalung der Waschmaschinen wie ein leises Flüstern. In der letzten Ecke neben dem Spülmittelautomat jagte eine alter Ventilator Stoffbänder in die Luft. Sie tanzten im Strom des kühlen Windes. Nötig. Der Tag war so heiß, dass allein zwischen den großen Fenstern des Waschsalons und der Straße davor die Luft schwirrte. Immer noch. Und es war bereits früher Abend.
Die Sonne würde sich langsam goldenen färben. Zum hundertsten Mal in der letzten Stunde murmelte der Moderator im Radio über die anhaltende Hitzewelle.
Sommer-Melancholie.
Die Wäsche rollt durchs Metall, Runde um Runde. Wasser umhüllt die Scheiben.
Fast alle Maschinen waren belegt und trotzdem saß er allein auf der Bank unter dem knackenden Neonlicht. Das Neon über dem Eingang färbt sich bereits lila. Es würde nicht mehr lange dauern und mit einem kurzen Knall aufgeben. Es flimmerte schon. Die Bank, auf der er saß, stand mitten im Raum zwischen den Metallkolossen und Automaten. Zurück gelehnt hielt er eine Pepsi Dose in der Hand. Zucker grub sich bereits durch seinen Verstand. Aber an einem Tag wie heute war nichts gut genug, um den Durst zu löschen.
Er starrte auf das Flimmern.
Im Halbschatten vor dem Salon stand seine große Liebe. Metall umrahmt mit Chrom, vorbei am fluorisierenden Vinyl. Je nach Tageszeit ein tiefes Blau oder ein weiches Pastellenes.
„12 Minuten noch. GIN. Dann ziehen wir weiter“, sprach er sich in Gedanken zu. In seiner Realität existierte nur dieser Salon und das Auto davor. Die flimmernde Luft verstärkte den Eindruck. Wirkte wie eine verzogene 2D-Welt auf einer Röhre in den alten Plastikkästen.
Erinnerte sich wie sich das Vinyl der Amateuren anfühlte, als er gestern durch die ermüdende Nacht gefahren war.
Er war müde. Er würde gern schlafen. Konnte aber nicht. Würde ihm sowieso nicht helfen. Sein Verstand war müde. Nicht sein Körper.
Seine Gedanken fingen die Musik wieder ein. Elvis dröhnte leise in sein Ohr.
Das letzte Mal in einer anderen Stadt, da trommelte der Regen an die Scheiben. Lilafarbenes und blaues Licht spiegelten sich im Lack des alten Pontiac und die Waschmaschine waren Mintgrün wie Eis gewesen. Da schwammen seine Gedanken nur so auf dem Film des Regens auf dem Auto. Melancholie drang aus dem Radio. Der Waschsalon war umrahmt gewesen von einer Tankstelle und einem lollipopfarbenen Diner.
Der Salon als Ruhepol der tankenden Autos und den Gästen im Diner. Zu warten und sich seinen Gedanken zu ergeben. Melancholie.






5 Kommentare :

  1. Interessanter Text, interessante Bilder und ein echt lässiger Sound. Da schau ich mir doch gleich noch ein paar andere Beiträge an ;)

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  2. ich finde ja den Retro-Touch deiner Fotos einfach genial! auch der Text passt da einfach 1a dazu ... wenn ich nicht schon selber eine Sommer-Melancholie hätte, bekäme ich sie wohl spätestens jetzt ;)

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

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  3. Ich mag Deine Bilder, weil sie so viel Athmosphäre haben. Toll. Weiter so bitte!

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  4. Also deine Fotos sind außergewöhnlich ... die haben einen richtigen Retro Touch. In Kombination mit deinem Text kommt bei mir ein wenig Melancholie auf.

    lg
    Verena von www.avaganza.com

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  5. Hach, ich lieb deine Texte ja mega! Und diese retro/vintage - Bilder sind einfach toll :) Du unterscheidest dich total von anderen Blogs - erfrischend, auch mal was anderes zu lesen!

    LG,
    Sarah von www.vintage-diary.com

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