HYPERDOPE. 💊

HYPERPILLS.



Lass ihn leben, den Algorithmus. Er wird von genug Menschen gefüttert. Aber selbst leben, ohne der „Wahrheit“ im Netz nachzujagen, machen wenige. 

Ich hörte mal einen jüngeren Menschen sagen „Was ich nicht posten kann, ist nicht passiert.“ 
Ok.
Was digital, aus 0 und 1 bestehend, nicht dokumentiert werden kann, soll niemals echt gewesen sein? Verrückt. Wir können das grüne Gras aus dem Boden rupfen, aber in den Nullen und Einsen nicht baden gehen? Aber die sollen echt sein? 
Einfach sein lassen. Wir existieren auch ohne die digitale Welt. Die Möglichkeit das jeder Moment einfach uns gehört genießen. „Das tut dem Herzen viel besser.“
Puh. Höre ich mich wie ein Kind der 90iger an? Ich erinnere mich noch gut daran, wir spielten, bis die Knie grün waren auf der Wiese oder alle Klamotten nass zwischen den Pfützen vor unserem Haus. 
Kennen diese Menschen eigentlich das Gefühl abends allein durch die Straßen zu huschen, vom Licht der Straßenlaternen einen schwindelerregenden Tanz zu vollführen, um nicht von Licht und Schatten gefressenen zu werden. Wie es ist dem Regen stundenlang dabei zu zu sehen, wie er glitzernd am Plastik der Birnen vorbei rast und den Gehweg so wunderbar glänzend macht? Oder wie ganze Filme entstehen, wenn man zwischen den Blättern des alten Eichenbaumes vor unserem Haus zu schaut, wie die Schatten der Straßenlaternen über den Asphalt zittern? 
Hintern den Fenstern flackert nur noch das Licht der allein gelassenen Fernseher. 
Es sind Drogen. Dieser Algorithmus ist eine Droge. Eine Legale. Jeder, fast jeder empfindet Freude dafür, auch wenn es nur klitzeklein ist, wenn man die eigene Kunst oder eben was man so online stellt, gesehen wird und Anerkennung erlangt. Vorausgesetzt, dass es vorzeigbar ist, auch echt ist. 
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man nur noch ein Leben lebt, dass vorzeigbar ist. Momente beinhaltet, die existieren, weil sie „mega geil“ oder Instagram-tauglich sind. Ein digitales Leben in der analogen Welt. 
Ist es nicht pervers sich eine Welt aufzubauen, die beim nächsten globalen Stromausfall oder Server-Absturz nichts mehr wert ist? Keiner mehr weiß, wer du warst und bist? Dass der digitaler Reichtum an „Followern“ plötzlich weg ist? 
Da entsteht bei mir die Frage, was ist er denn jetzt wert, der digitale Reichtum? Dieselbe Frage könnte man an das Geld stellen. Mit dem Unterschied, dass wir wissen, dass viel Geld nicht zwangsweise glücklich macht. 
Wir konsumieren also eine Droge, von der wir glauben es sei ein gesunder Tee. Ok, sagen wir es ist Limo. Vielleicht nicht gut, aber auch nicht schädlich. So denkt man zumindest darüber. Obwohl es uns wie Crack abhängig macht. Und das hochgradig. Mit dem ersten Bild im Netz, dem ersten Like und Follower. Jedes Mal steigt das Verlangen mehr zu bekommen. Und danach kategorisieren wir unsere besten Momente, nicht etwa, weil sie für uns selbst die Schönsten waren. Entweder sind wir zu faul sie selbst für uns im Kopf zu konservieren oder extrem dumm, um zu begreifen, dass wir von einer digitalen Droge abhängig sind. Und was bleibt uns am Ende? Leere. Wir sind leer, weil wir gehetzt einer Zahl hinterher jagen, die niemals ein Ende finden kann. So gesehen noch viel schlimmer, als jede synthetische Droge. Die bringen uns um, diese Zahl niemals körperlich. Nur psychisch. Sie setzt uns nur unter Druck. Verlieren uns selbst zwischen diesen Zahlen. Werden Kopien von anderen Kopien. Funktionieren nur noch wie ein programmiertes System. Erschaffen von digitalen 0 und 1 und menschlicher Masse. Als würden wir nur noch Infusionen aus flimmernden Handybildschirmen bekommen. Informationen, die durch unsere Köpfe fallen und nirgends hängen bleiben. Verrauschte Gedanken. Blind gespiegelt. Was soll es auch bringen, was Eigenes draus zu machen? 
- Digital Human - 
Die Frage ist also: Mit machen oder lassen? Mit machen oder den Algorithmus einfach Algorithmus sein lassen? 


Die Frage stellt sich auch bei meiner Kunst richtig? Und ich gebe offen zu, ich möchte mich nicht aus der digitalen Welt zurückziehen. Nur mein Grund basiert nicht zwangsweise auf der Droge Likes und Follower. 
Mein Interesse gilt der Inspiration. Inspiration in der Kunst anderer und der Menschen dahinter. Und die erreicht man im Sumpf der digitalen Welten und Bilder nur, wenn man sich durchkämpft. Ein wenig Zeit im digitalen 2D verbringen. Aber Stress löst es schon lange nicht mehr aus, ob sie steigt oder sinkt, die Zahl des digitalen Reichtums. Ich freue mich auf die Menschen, die da kommen und mich finden und die da gehen, denen danke ich, dass sie mir die Droge für meine Kunst gaben. Die Inspiration.



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Blogparade

„Die 2D-Sucht oder digitaler Reichtum?“

Eine Blogparade über das 2D-Leben im Netz im Fokus der Social Media Plattformen (Instagram, Facebook, Tumblr, Pinterest, etc.)

Ein paar Gedanken dazu…


Allgemeine Fragen:
Ist das Internet und seine sozialen Netzwerke gut oder schlecht?
Bietet es uns Möglichkeiten (wie Vernetzung, neue Kunst, etc.)?
Ist eine Sucht oder Reichtum erkennbar?


Psychologische Fragen:
Schränkt es uns ein?
Ist es eine Sucht?
Wenn ja, welcher Umgang damit? Kann man es heilen?
Wenn nein, was macht es normal? Welcher Nutzen haben wir davon?
Gibt es einen gesunden Umgang?
Bringt digitaler Detox etwas? Oder ist eine langsame Entwöhnung besser?
Gibt es eine Möglichkeit es nicht aus der Sucht/Suche nach Anerkennung zu machen, sondern aus Spaß an der Freude über Vernetzung?
Löst diese Sucht Depressionen aus?


subjetkive Fragen:
Was können wir aus der digitalen Welt für die reale Welt lernen? Was hast du gelernt?
Spielt im Netz unsere eigene Persönlichkeit eine Rolle?
Kopieren wir nur funktionierende Dinge?
Ist es möglich, sich nicht zu vergleichen?




Um mitzumachen, setze den Link zu deinem fertigen Beitrag hier in die Kommentare. Verlinke zusätzlich in deinem Blogpost diesen Artikel hier. 
Am Ende der Blogparade werde ich unter diesem Post eine Liste zusammenstellen, in dem die Teilnehmer mit ihren Artikeln verlinkt werden. Die Blogparade geht ist zum 23.07.2018.







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