NEVERMIND. ⪦

Wenn die Wirklichkeit das Ergebnis einer Emulation ist, dann ist die Realität der Emulator.




Es spricht so das Gefühl des Endes aus mir. Der Zeitpunkt, an dem man merkt, dass man etwas ändern muss. An sich, an dem Blick auf die Welt und irgendwie dem ganzen Chaos in sich drin. So oft habe ich Bilder angesehen. Bilder, die einem die Seele aufwühlen - im Guten. Vielleicht machen sie auch süchtig, aber es muss doch etwas geschehen, wenn man so lange darauf blickt. Zwischen verzerrten alten VHS aus der Kindheit und dem Rauch der kunstsüchtigen Wasserpfeife muss doch noch was existieren. Ein bisschen mehr als nur Illusionen. Als nur Rauch und raue Stimmen. Mehr als Realität und Wirklichkeit.
Ich hasse den Perfektionismus in mir. Er macht mich träge. Bremst mich in meinen Gedanken. Bremst mich als Mensch, weil er mir immer wieder in ekelhafter Form und grausam vor Augen führt, worin mein Ziel besteht und das es womöglich zum Greifen nah sein könnte, es aber oftmals nicht erreichbar ist. Weil ich, ich bin. Nicht weil ich darstelle, was ich zu glauben bin, sondern was ich tatsächlich bin. Darin besteht die eigentliche Perspektive.
Wie bei einem Prisma vielschichtige Seiten. Vereint unter der Melancholie. Vielleicht sind es auch unendlich viele, aber gerade spiegelt sich eine neue Welt darin.



Spiel sie noch mal, die ausgezupften Streifen der VHS, lass sie rückwärts laufen. Ich will sehen, was wir taten, woran wir uns erinnerten, worin wir lebten, ohne jemals wirklich die Realität zu sehen. Es funktionierte. Wieso? Weil es in unseren Kinderköpfen verdammt noch mal funktionierte. Das reichte aus, dass es zu etwas Größerem wurde.
Was bleibt mir davon? - Ein Glas Whiskey und am Boden die letzten Gedanken aus den Kindheitsillusionen.
Derweil neben mir ein Mensch, für mich ohne ihn anzublicken, kalt, eine Hülle ohne Geschichte. Fuck Brain.
Wie rau war seine Haut? Hatte doch gerade eben noch seine Hand in meiner. Shit.
Doch wichtiger scheint, die vorbeiziehende Straße hinter der getönten Scheibe. Es riecht nach amerikanischen Traum, doch darin verblassten Bonnie & Clyde. Der Sommer verflüchtigt sich durch die Ritzen.
Wieso scheint alles so taub zu sein? Und doch Strecke ich meine Finger aus um das Vinyl der Armatur zu berühren, jagen mir zig Gefühle durch die Fingerspitzen bis in meinen Kopf. Seltsam. Gestehe mir nicht ein, dass das wohl was anderes sein könnte.
Die Realität gegen die Wirklichkeit, da vorn vor der Motorhaube. Ich fühle die Taubheit des Lackes, wenn ich nur durch Scheibe schaue und lange genug meine Finger in die Polster kralle. Ich meinte zu wissen, darin hätte wir uns doch gespiegelt. Nicht wahr? Wieso jetzt nicht mehr? Hör auf ich weiß, dass wir uns darin nicht erkennen, aber das Gefühl sollte doch genauso sein oder nicht? Immerhin sind wir, genauso wie er, nur ein Jahr älter geworden. Shit, ich vergaß wir sind keine Kinder mehr. Punkt für die Realität.
Unsere Wirklichkeiten zu bündeln und wieder dieses „Held sein“ zu genießen - gescheitert. Fuck Perfektionsmus.
Einfach mal den Finger auf das kreisenden Vinyl halten. Die zäher werdenden Stimme in den Verstand kopierend und zu hören - bis es zu den Ohren heraus quillt. Sich vergessen darin. Zu leicht. Wie hörte das wieder auf?
Ich sehe mich eine weitere alte Videokassette in den Rekorder stecken. Im Zeitraffer spulend. Über zu viele Erinnerungen, zu viel Vergangenheit. Sehe die Lichter der alten Tage auf meiner Haut tanzen. Jalousienlichtpunkte zeichnen sich auf unsere Haut, als wir giggernd auf dem Teppich saßen, zusammen als Bruder und Schwester.
Filter-Leben. Wie an einer Zigarette nur noch das hindurch inhalieren, was uns high macht. Filter-kreative- Erinnerungen schaffen. Uns in Millionen Zeilen auskotzend, was uns bewegt und den Shit Ballast doch nie los werdend. Dann die Seele betäuben mit Rauch und Kunst. Nichts weiter als die Illusion der eigenen Wirklichkeit real werden zu lassen.
Lass uns mal das Gelb kosten. Küss das Rot meiner Lippen. Schmeckt es nach Halluzination?
Deine Finger schmecken so unendlich gut nach grauer Stimmung. Einzeln ableckend schaue ich dir in die blauen Augen. Ein Chaos an Ruhe, was sich darin versteckt. Geborgen darin dein Lächeln, ich weiß.
Verpassen den Gefühlen Farben. Kennst du das? Es rauschen so viele Farben durch unseren Körper. Weißt du, es ist, als ob es so viel intensiver wäre. Dran lecken bis uns schwindlig wird.
Können wir mal endlich die echte Version von uns im Spiegel sehen, minus den ganzen Gefühlsquatsch. Ganz schön verblast wird es sein. Ich sehne mich danach die Farben tauschen zu können, diese Gefühle, die sie auslösen laut und leise drehen zu kennen, wie das Vinyl, was rennt, aber kein einziger Ton aus den Boxen kommt. Einfach den Stecker vergessen.
Ich mag die Farben, die Tiefe und ihre intensiven Gedanken. Lass mal lieber die Filter behalten und unsere Realität wegwerfen.
Lass uns mal an den Zigaretten ziehen, bis wir die Realität auskotzend vor uns in den Händen halten.
Lass weg werfen.
Glaub mir, dass haben wir als Kinder auch so gemacht. Damals waren es die süßen Blumen, die wir nahmen und uns um die Ohren warfen. Jetzt rauchen wir, überwältigt von der wirklichen Welt diese Blüten in unseren Mündern und sperren sie in unsere Lungen. Ich könnte lachen, würde ich nicht weinen, beim Anblick der alten Filme in mir. Und ich nicht wüsste, dass wir irgendwann die Play-Taste nicht mehr finden würden.
Die Gefühle fahren von ganz allein jetzt diesen Wagen. Versprichst du mir das du keine Illusion sein wirst? Denn ich will mit dir reisen, diese Orte unserer Wirklichkeiten aus diesem Rauch erschaffen und für uns bewohnen, umher tragen und träumen.
Und dann konservieren in Gin.



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