∴ NEON COURT.

VINYL & NEON.
Sommer-Melancholie.


Brennende Wärme auf der Haut. Die Luft riecht nach Sand. Der Wind wirbelt den Dreck auf der Straße vor sich her. Die gelben Markierungen fast schon so sehr verblasst, dass zwischen Asphalt und Sand nicht mehr zu unterscheiden ist. Grau in Goldgelb. Das Klacken der Gatter in den Scharnieren klopft gegen unsere Herzen. Das vergilbte Holz, auf dem wir hocken, knarrt bei jedem Lachen, was uns entfleucht. Wir starren in das Summen der Luft. Das Bild schwimmt, die aufsteigende Luft, erhitzt, verzerrt es.
Die Sonne steht so tief, dass die Bäume hinter uns ewig lange Schatten in den Sand zeichnen. Sie steht so waghalsig flach, dass zwischen den Neonkreisen ein Lichtbogen entsteht. Ein Schein aus puren leuchtenden Partikeln. Surreal. Derweil färbt sich der Himmel in einen violetten Verlauf. Wenige Momente noch und das leise Schaltknacken des Chemielichtes würde gegen ein dumpfes hohes Brummen tauschen. Ein ungeduldiges Knacken. Wenn sie schaltet, leuchtet das giftige Grün als Erstes. Das Pink scheint noch zu schlafen und erwacht erst langsam aus dem trägen Warten auf die zähe Energie. Bis es dunkel wird, hat sich das Chemiezeug losgelöst und strahlt. Solange genießen wir stumm die letzte Wärme auf unseren Lippen.
Das Summen des alten Diners mit seiner rostigen Leuchtreklame wartet auf uns. Zwischen dem ganzen Staub lebt nur noch sie.
Der Sand verschluckt so schön teilweise den gekachelten Boden. Schwarz-weiß mal gewesen, nur noch grau und hellgrau. Die Farben, die hier einst gewesen mit dem Sand davon gezogen. Das Licht dumpf und ausgewaschen.
Die Farben der Sitzbank nur noch rosa, ihr strahlendes Rot verloren, Jahre bevor dieser Ort verschluckt wurde. Das glitzernde Weiß genauso Gelb wie die Wandfarbe.
Durch den Wind knirschen die Fenster unruhig in den Angeln und spucken unaufhörlich Sand ins Innere.
Der Jukebox hat man die bunten Plastikbirnen eingedrückt. Die Platten stehen seit Jahren in Reih und Glied. Keiner wird mehr ihren zeitverklebten Klängen lauschen. Auf einen Versuch ankommen lassen?
Kurios. Nie darüber nachgedacht es zu versuchen, den Strom durch den Kasten zu jagen. Das Neon flackert immer hin noch. 
Auf einen Versuch ankommen lassen!
Lächeln tauschend, den Stecker fummelnd in die Dose gezwängt, eine Taste gedrückt, quietscht es. Dann das leise Knacken der Nadel und die alte Welt beginnt sich zu drehen. Ob die Stimme rau ist durch den Staub?
Die Tasten und Schilder flackern hin und wieder. Doch die Nadel läuft beständig über das alte Vinyl. Diese Platte nicht so schwarz wie die anderen. Genauso Pastellfarben wie einst die Theke. Mintfarben wie Minzeiscreme.
Wie viele Milchshakes und Burger wohl über die Theke gingen?
Die letzten Strahlen lugen durch die schiefen Jalousien. Die meisten einseitig ausgehangen und ihr Metall verdreht. Sie zeichnen tanzende Dreiecke in das verwaschene Gold auf den Tischen und den Sand, der den Boden umarmt.
In der Nacht können wir die Sterne hinter dem groben Licht betrachten gehen. Über das Dach des alten, schwarzen Dodge auf das noch sonnenwarme Metall.
Gereist sind wir immer um diesen Ort. Als Kinder die Bäuche vollgestopft mit Milchreis und die Münder verklebt mit bunten Lollis, klebten wir wie Fliegen am Licht des konservierten Diners. Nacht für Nacht nun im flackernden Licht erhalten.
Und wenn uns von den Träumen da oben schwindlig wird, ruhen wir im Benzinduft der alten Polster. Durch die Chromrahmen der dunklen Fenster die flüsternde Worte des Gaslichtes über uns, wacht das Neon, bis die Sonne den ausgebleichten Lack kitzelt. Und dann die Gedanken zu baden und auszuwaschen in den frischen Taupfützen vor unserem Wagen.


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2 Kommentare :

  1. Was mic nach dem Lesen diese Textes interessieren würde: hat dich etwas anderes inspiriert oder beruht der Text auf eigenen Erinnerungen? :)

    Vielen lieben, großen Dank übrigens für all deine tollen Worte auf meinem Blog. Es freut mich immer sehr, wenn ich so viel Lob lesen darf. Und irgendwie weiß ich auch nicht so recht, was ich antworten soll... irgendwie klingt alles immer nach Plattitüden. Also Danke! ;)

    Ich kann deine Gedanken bezüglich des Perfektionismus gut verstehen. "Leider" mache ich das beruflich und das ist dann noch mal schwieriger für mich... die eigenen Ansprüche, Vergleiche, Träume. Puh. Nicht immer einfach. ;)
    Da ich sehr lange krank war und auch sehr lange täglich und permanent Schmerzen hatte, mag ich mir gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, an einer chronischen Krankheit zu leiden... das ist sicherlich sehr, sehr kräftezehrend und oft schrecklich entmutigend...

    http://www.blog.christinepolz.com

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    1. Dieser Text ist reine Wunschvorstellung, allerdings ist meine Fantasie so stark, dass es sich beinah echt anfühlt und wenn es ein Traum schafft so stark zu sein, dann fasse ich ihn in Worte und gebe ihm hier Raum, damit ich ihn nicht vergesse.

      Danke für den Kommentar. Ich freue mich, wenn Menschen mich durch Interaktionen inspirieren. Danke dafür.

      Grüße
      Yve

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