MAYBELAND. ⩕

Glorifiziert im MAYBELAND.


Irgendwie war es verrückt. Für mich das erste Mal. Zwischen den Lichtern. Der Platz bebte, doch in meinem Kopf war es so still, dass ich das Feuer hinter dem schwarzen Metall hören konnte. Der Ofen brannte, seit Stunden drehten sich Waffeln darüber. Golden wie Honig kamen sie aus dem Eisen, Musik spielte leise, rieb mir die Sehnsucht nach Zucker ins Herz. Den Geschmack auf der Zunge musste ich ein weiteres Mal kosten. Und irgendwie schmeckte es nach Kindheit und vielleicht glorifiziere ich uns, aber ich war mir ziemlich sicher dieser Geschmack käme direkt aus den 90igern zu mir.

Meine Lippen zitterten. Die Lichter tanzten zur tosenden Musik. Die Fahrgeschäfte begruben die tausenden Lachen unter sich. Verdrehten die Köpfe bis allen schwindlig wurde. Ich brauchte keins davon. Sah diesen kleinen Stand, roch das Holz, was im Ofen verbrannte und ich war neugierig geworden. Und dann standest du dort, zwischen uns Puderzucker und Waffelteig. 

In deinem Bart glitzerte es. 
Woher konntest du nur wissen, wie meine Kindheit geschmeckt haben muss? Wie konntest du diese Erinnerung an dieses gewaltige Lagerfeuer sehen und wieder lebendig machen? Einfach diesen Geschmack aus meiner Kindheit nehmen? Wie wir uns die Bäuche mit braun gebrannten Knüppelteig vollgestopften. Mein Bruder und ich. Wir zwei, klein, Hand in Hand. 
Jahrzehnte später standen wir nun hier und du ließest uns erinnern. Ich würde behaupten, du hast schon da dir ein Stück meines Herzens erkauft, mit süßen Waffeln aus deinem Ofen, Waffelbäcker.
Wie lang ich wohl über den Rummel gestolpert und durch die Lichter getummelt und immer wieder neben dir auf dem Rücken gelandet bin. Kreisten wie Planet und Mond umeinander. Manchmal soweit, dass wir uns gar nicht sahen. 
Ich füllte lange mein Herz mit Zuckerwatte und Karusselllichtern. Mit der Süße all der Musik und Stände um dich rum. Die Farben waren neu. Waren intensiv und schmecken nach Freiheit. Drehten so viele Runden über den schon vertrauten Jahrmarkt. Entdeckten uns immer mehr in dem Flimmern der Reklamen. Es war als kannten wir uns schon länger. So vertraut. Erinnerst du dich, wie bunt es war? Wie wir Kaugummi kauten und an bunter Eiscreme leckten? Immer einwenig mehr, dass uns die Bäuche kribbelten. Selbst nach Waffeln husteten wir noch rosa Lack aus den verklebten Lungen. Wir hatten einfach zu viele Lichter verschluckt. Zu viel süße, irisierende Luft geatmet. 
So verspielt trugen wir unsere Herzen vor uns her. Fuhren Karussell und flogen mit Mini-Fliegern zum Himmel. Ließen uns vor dem AutoScooter wartend den kühlen Wind um die Ohren wehen. Genossen, wie schwer die Luft nach Abend roch. Im Riesenrad zählten wir die Sterne und die Welt stahl sich heimlich davon und ließ uns treiben. Erzählten uns von unserer eigenen gemeinsamen Geschichte. 
Die tosende Stille schob sich zwischen unsere Lippen und mit bunter Sahne verklebten wir unsere Hände. 
Es zerschmolz uns wie Sahne auf deinen Waffeln, als das Flackern der kunterbunten Funken uns ergriff. Glänzend vom letzten Sommerregen unsere Lippen. Koloriert durch die schillernden Motten in unseren Bäuchen.
Unsere Lachen fluoreszierten im Laternenlicht, als wir die letzten waren, die es begriffen. Wir zogen so aus dieser Zuckerwatte unsere Erinnerungen. Lange raue Fänden, die uns verbinden. Ließen uns verrückt werden zwischen dem Spiegelbild der Pfützen und dem leisen Rauschen der letzten Neonröhren. 
Verstanden gar nicht, wieso wir sie nicht alle in Gin mitnehmen konnten. Aber wir würden zurückkommen. Sobald wir wieder das Feuerholz unter den ersten Waffeln knacken hören würden. Und die Farben der über dem Jahrmarkt untergehenden Sonne kosten könnten.


Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ


Die unendliche Sekunde im Moment, in dem wir oben stehen blieben. Ein Atemzug lang verweilten. Wir atmeten Träume da oben. Verloren die Lächeln in den bunten Wolken, als wir sie berührten. Hand in Hand in diesem Stück Kindheit. Die Farben durchstrahlen uns. Wie ein zu langsamer Film sprudelten die Blicke über das, was am Boden geblieben war. Die Dächer, die nach uns riefen, die sonst unserer Horizont waren. An diesem Tag trieben wir über Ihnen. Einfach so. 

Vorher starrten die Augen noch ungeduldig in die japsenden Lichter, die sich behäbig im Kreis drehten. Runde um Runde. Und dann begannen wir abzuheben. Unsere Hände hielten sich fest, um zu begreifen, dass wir denselben kunterbunten Traum fühlten. 


Wieso verliebe ich mich immer wieder auf neue in diese Idee von uns? In das wir Helden unsere Geschichte sind? Verliebe mich in diese Erinnerungen. 

- Die Realität an sich ist wie eine endlose hässliche Geschichte. -

Zuvor möchte ich all diese Kinderträume leben. Diese süßen Tränen weinen. Das Lächeln von damals mit dir tauschen. 
Stauend vor dem leeren, stehenden Riesenrad stehen. Unfassbar dankbar sein für diese Hoffnung, es könnte etwas Größeres werden. Etwas das uns gehört. Das kein anderer fühlen kann. Ich stelle mir vor Jahre zu vor, ich, 7 Jahre. Dieses Riesenrad wäre so viel größer. Bunter und der Traum noch süßer. Als Kind zu träumen mit dem Teddy in der einen und der Zuckerwatte in der anderen Hand, war so viel intensiver. Ich spüre noch jetzt dieses so krass verblasste Gefühl. Wir Kinder waren größere Helden, als wir jetzt je sein könnten. Wir waren frei. Frei von allem, was uns am Boden hätte halten können. 
Stattdessen sind wir abhängig geworden. Abhängig von der Euphorie. Jagen uns nach. Jagen dem Gefühl nach, wie wir als Kinder es genossen. Verschwenderisch. Immer. Drauf los, wann wir wollten. 
Diese GESCHICHTEN waren echt. Die heute noch nur ein Mix aus von uns gemachten Drogen des Verstandes - nach nachgeahmten Erinnerungen. 
Konservieren diese verschoben Wahrheit in Filmen und Bildern. Als Kinder gab es keine bunten Prismen, die die Welt noch bunter machten. Sie war so. Bunt verklebt und süßlich. Prickelnd, wenn man daran leckte. 
Wieso haben wir das verlernt? Wieso ist dieses Verlieben so schmerzhaft? Unser Verstand weiß gut genug, dass diese Sucht völlig sinnlos ist. Egal wie schön das Ziel ist, wir erreichen es nie mehr. Wir sind keine Kinder mehr. Diese sturen Momente sich zwar sammeln lassen, aber nur um uns zu glorifizieren. 
Aber am Ende ist es diese Sucht, die uns echt macht. Auch wenn sie die Träume nur selten in die Realität hebt, so macht sie das Leben zu unserer eigenen Geschichte. Handeln tatsächlich so, als wären wir Helden. Süchtig nach unseren eigenen Geschichten. Süchtig nach dem immer wieder aufs Neue sich gegenseitig zu verlieben. Leben, wann wir es wollen, wie Bonnie und Clyde. Stopfen uns voll mit diesem Gefühl, um die Wahrheit zu verkraften. Die Realität, die kommen wird, zu meistern, wahlweise auch zu überstehen. Und darin zu hoffen, dass eine weitere Heldengeschichte folgen wird. 
Sie füllen uns aus. Wir spüren uns, nehmen die Grenzen wahr und können uns von ihnen plötzlich freimachen. Wie damals, als wir Kinder fahren. Da konnten wir fliegen. Mit uns diesmal diese Gondel. Um für uns kreativ zu sein. Die Gefühle zu spüren, die wir tatsächlich sind. Diese Träume zu einem Teil von uns zu machen. Dieses Kind in uns wieder zu erwecken. 
Lachend die Euphorie aus uns sprudeln zu lassen, wenn wir mit den Gondeln den Himmel berühren. Gestatten Ikarus, dein völlig vergessenes, inneres Kind. 
Wohin gehen wir heute Teddy? 
Verlieben wir uns heute wieder, Ikarus?


Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ

Ϟ Ϟ Ϟ



0 Kommentare :

Kommentar veröffentlichen